Finanzkooperativen und Gemeinsame Ökonomien in der neuen Dimension
Am letzten Oktoberwochenende trafen sich 30 Menschen in Kassel zu einem Austausch über die Erfahrungen, Probleme und Lösungsansätze in ihren Gemeinsamen Ökonomien und Finanzkooperativen. Großen Anklang fand die Idee, Gemeinsame Ökonomien von Finanzkoops, Kommunen und nicht-kommerziellen Zusammenschlüssen zu einer großen gemeinsamen Ökonomie zu verbinden: GemÖk hoch zwei – GemÖk². Die Entwicklung eines umsetzbaren Modells geht weiter am 10.-12.2.2012 in Kirchvers bei Gießen.
Von Sigrun Preissing und Gottfried Schubert. 30 Menschen die sich kaum kennen, ein selbstverwalteter Veranstaltungsort und eineinhalb Tage Zusammenarbeit: die Feedbackrunde am Sonntag Nachmittag zeigte, dass viele der TeilnehmerInnen weit mehr positive Erlebnisse, Kontakte, Anregungen und Ergebnisse mit nach Hause nahmen als sie erwartet hatten. Schon die intensive Vorstellungsrunde am Samstag morgen zeigte, dass sich eine Vielzahl an sehr unterschiedlichen Finanzkooperativen und Gemeinsamen Ökonomien zum Vernetzungstreffen versammelt hatten. Da viele Finanzkoops und GemÖks ausschließlich im Privaten agieren und in der Öffentlichkeit wenig sichtbar sind, konnten viele neue Bekanntschaften gemacht werden.
Die Formen und Modelle, individuelle Einkünfte gemeinsam zu nutzen waren vielseitig: mal zwei, mal 80 Leute in einer Gruppe teilten sich nur ein Konto oder viele Einzelkonten. Manche Gruppen legten ihre Einkünfe zusammen um den Alltag zu bestreiten (Alltagsökonomie), einige auch Erbschaften, Rücklagen und Schulden (Vermögensökonomie). Menschen, die mit ihrer GemÖk in gemeinsamen Gebäuden wohnen, staunten über Praxen von Gruppen, deren Mitglieder in unterschiedlichen Regionen leben. Mit dabei waren auch BewohnerInnen der Kassler Kommunen, Personen aus Finanzkooperativen im Umbruch und Interessierte ohne aktuelle GemÖk-Gruppe.
Unterschiedliche Erfahrungshintergründe der TeilnehmerInnen zeigten sich bei den Arbeitsgruppen am Samstag. Sie diskutierten über Finanzkoop-übergreifende Altersvorsorgemodelle und unterschiedliche Möglichkeiten, Vermögen in die GemÖks einzubringen ohne die damit verbundenen Ängste zu ignorieren. Austausch gab es auch über die unterschiedlichen Erfahrungen im Umgang mit PartnerInnen, Kindern und Eltern, wenn sie finanzielle Verbindungen mit den Finanzkoops haben, aber nicht daran teilnehmen. Auch kleinen GemÖks wurde nochmal in der Arbeitsgruppe zum Thema „politisch Relevanz“ ihre Bedeutung durch die Vernetzung mit anderen Gruppen bewusster.
Gemeinsame Gemeinsame Ökonomie – GemGemÖk – GemÖk hoch zwei
Viel Energie wurde aufgebracht für konkrete Formen der Vernetzung. Ein sehr weitgehender Schritt dahin war die Idee einer finanziellen Vernetzung von Finanzkoops, Kommunen und ähnlichen solidarischen Wirtschaftsformen, genannt GemÖk². Durch die GemÖk², so die Hoffnung, entsteht mehr Sicherheit, Stabilität und Durchlässigkeit unter den ökonomischen Gruppen. Die Vorstellung, bei Verlassen der eigenen Bezugsgruppe nicht zwangsläufig aus der gemeinsamen Ökonomie, Alterssicherung und dem sozialen Netzwerk heraus zu fallen, faszinierte viele der Mitdiskutierenden. Dieses Modell könnte auch den Bedürfnissen unterschiedlicher Lebensphasen gerechter werden. Andere wiederum reizte, dass die politische Relevanz durch die stärkere Außenwahrnehmbarkeit erhöht werden könnte.
Bei der begonnenen Entwicklung des GemÖk²-Modells haben sich erste Kriterien und Bedürfnisse herauskristallisiert. Zum Beispiel war den TeilnehmerInnen wichtig, bisherige soziale Bezüge, wie die eigene Finanzkoop, Kommune usw. in der GemÖk² beibehalten zu können. Eine erste Idee war, in diesen bestehenden Bezügen – den sogenannten „Kuschelökonomien“ oder „Mögensökonomien“ – weiterhin die Alltagsökonomie zu regeln, auch wenn das Geld in eine große gemeinsame Kasse fließt. Die Frage der Vermögensökonomie blieb noch unkonkreter, zumal manche mitdiskutierende Gruppe bisher noch keine hatte. Es wurde jedoch deutlich, dass das Kollektivieren des eigenen Vermögens attraktiver wird, wenn es in einer größeren Gruppe organisiert ist. Das weiter zu entwickelnde Modell soll mit einfachen und durchschaubaren Regelwerken machbar sein, zusätzlichen sozialen Stress vermeiden und den Bisherigen in den „Kuschelökonomien“ verringern.
Einladung zur Weiterentwicklung von GemÖk²
Wir laden Euch ein, bei der Weiterentwicklung der GemÖk² mitzumachen. Wichtig ist uns dabei, dass Ihr entweder selbst in einer Form der Gemeinsamen Ökonomie lebt oder damit bereits länger Erfahrungen gesammelt habt. Wir treffen uns vom 10.-12. Februar in Kirchvers bei Gießen. Dort werden wir die Projektentwicklungsgruppe GemÖk² bilden. Ein späterer Quereinstieg wird dann vorerst nur noch durch Patenschaft einer TeilnehmerIn möglich sein, damit die Kontinuität der Weiterentwicklung gewährleistet werden kann. Wir freuen uns auf den Austausch mit euch und darauf, diese aufregende Idee weiter voran zu treiben.
Projektentwicklung GemÖk²
Wo: Kirchvers bei Gießen
Wann: 10.-12.2.2012
Anmeldung und Information: info@gemeinsame-oekonomie.de
Eine ausführlichere konkretere Idee zur Umsetzung eines bedingungslosen Grundeinkommens mit der Weiterentwicklungsmöglichkeit zur Beitragsökonomie, commonsbased peerproduction, nichtkommerzielles Wirtschaften :
Vorbemerkungen:
- Ein staatliches bedingungsloses Grundeinkommen, sollte es das je einmal geben, bedarf großer gesellschaftlicher Veränderungen. Diese brauchen Zeit. Ein zeitnah umgesetztes bedingungsloses Grundeinkommen geht nur in Selbstorganisation, ist dadurch aber auch machbar.
- Bei diesem bedingungslosen Grundeinkommen handelt es sich, (wie bei allen anderen öffentlich diskutierten Grundeinkommen) um eine spezielle Form des Grundeinkommens. Das bedingungslose Grundeinkommen gibt es nicht.
- Für ein bedingungsloses Grundeinkommen bedarf es vieler Bedingungen. Bedingungslos ist das Einkommen.
- Bei der Umsetzung unseres Vorschlags ist uns wichtig: Ein Grundeinkommen muss Armut verhindern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Ein Grundeinkommen unter 1000 € möchten wir in Süddeutschland nicht umsetzen.
- Personen, die unser selbst organisiertes Grundeinkommen erhalten, sollen dieses bedingungslos erhalten. Ein Grundeinkommen, dass zur Bedingung hat, dass teilnehmende Personen einer Erwerbsarbeit nachgehen, möchten wir nicht ausführen. Es soll so organisiert werden, dass jedeR die Wahl hat, „nur“ das Grundeinkommen zu erhalten, oder darüber hinaus auch einer Erwerbsarbeit nachzugehen.
- Einen Rechtsanspruch für alle können wir in Selbstorganisation nicht verwirklichen. Somit können vorerst nur die Menschen, die sich ein bedingungsloses Grundeinkommen selbst organisieren, dieses auch bekommen.
- Die Umsetzung unseres bedingungslosen Grundeinkommens setzt eine Gruppe voraus.
- Der folgende Beitrag ist eine Idee zur Umsetzung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Bei der praktischen Umsetzung werden sich Modalitäten im Gruppenprozess verändern, weil sie den Gegebenheiten angepasst werden müssen.
- Ein bedingungsloses Grundeinkommen, staatlich oder in Selbstorganisation, ist eine andere Verteilung dessen, was eine Gesellschaft aus Dienstleistungen und Produkten erwirtschaftet. Menschen, die im Verteilungsprozess deutlich mehr Geld bekommen, als andere, werden weniger Geld haben. Menschen, die weniger haben, werden bereit sein müssen, dieses anzunehmen. Wir gehen davon aus, dass die Bereitschaft, Einkommen anders zu verteilen, von den jeweiligen Menschen abhängig ist, und nicht davon, ob sie viel oder wenig Geld haben.
- Ein bedingungsloses Grundeinkommen verteilt Geld um. Wenn die Einen nachher mehr davon haben, die anderen weniger, bedeutet das nicht, dass die einen dann mehr Lebensqualität haben und die anderen weniger.
- Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens verändert die betroffenen Menschen. Eine Voraussetzung für das Gelingen ist die Bereitschaft der Teilnehmenden, sich auf innere Veränderungen einzulassen
- Unser selbstorganisiertes Grundeinkommen ist ein Experiment, welches auch wissenschaftlich begleitet wird. Es ist KEIN Experiment, ob ein saatliches bedingungsloses Grundeinkommen funktionieren kann oder nicht, weder dann, wenn es gelingt, noch dann, wenn es scheitert.
Ein Beispiel für eine mögliche Umsetzung eines bedingungslosen Grundeinkommens:
Begonnen wird der Prozess mit 15 – 30 an einem bedingungslosen Grundeinkommen interessierter Personen. Sie schließen sich zu einer Gründungsgruppe zusammen. Die Erarbeitung eines Grundeinkommens setzt einen gemeinsamen Prozess voraus. Deswegen ist es sinnvoll, wenn diese Menschen zusammenarbeiten und sich über einen begrenzten Zeitraum regelmäßig treffen können.
Die Gründungsgruppe legt erstens fest, wie hoch das Grundeinkommen und zweitens, wie hoch der Anteil des eventuell vorhandenen Einkommens sein soll, den jeder Einzelne in eine gemeinsame Grundeinkommenskasse einbezahlt. Damit ist auch festgelegt, wie hoch der Anteil ist, den JedeR über das Grundeinkommen hinaus individuell dazu verdienen kann. Damit das Grundeinkommen bedingungslos bleibt und keiner aus finanziellen Gründen für die Gruppe seine Arbeitskraft verkaufen muss, muss ein Teil der Grundeinkommenseinnahmen in der Kasse bleiben. Das macht auch für denn Fall Sinn, dass zahlungskräftigere Personen die Gruppe verlassen wollen, ohne die Gruppe zu gefährden.
Im folgenden Beispiel bekommen die Mitglieder 1000 € Grundeinkommen und behalten, falls sie ein gewerbliches Einkommen haben, die Hälfte davon für sich:
Person A ist verbeamtete Lehrerin in Teilzeit und möchte das auch vorerst bleiben. Sie hat ein Einkommen von monatlich 2500 €. Sie bekommt nun ein Grundeinkommen von 1000 € und gibt die Hälfte ihres gewerblichen Einkommens, also 1250 € in die Grundeinkommenskasse. Die Person A hat somit ein Gesamteinkommen von 2250 €. einschließlich eines Grundeinkommens. Die Grundeinkommenskasse kann somit 250 € monatlich an andere Mitglieder umverteilen.
Person B gibt Gitarrenunterricht, hat ein unregelmäßiges Einkommen von durchschnittlich 600 €. Sie bekommt ein bedingungsloses Grundeinkommen aus der gemeinsamen Kasse von 1000 €. 300 € ihres Einkommens gehen an die Grundeinkommenskasse. Person B hat somit ein Gesamteinkommen von 1300 € einschließlich eines Grundeinkommens. Die Grundeinkommenskasse wird somit mit 700 € belastet.
Die gemeinsame Grundeinkommenskasse zahlt jetzt monatlich 2000 € aus und nimmt 1550 € ein. Es entsteht ein Defizit von 450 € monatlich.
Person C ist Schreinerin und hat ein monatliches Einkommen von 1400 €. Die Arbeit macht ihr Spaß, sie möchte aber nur noch 30 Stunden die Woche arbeiten. Sie wird dann ein Einkommen von 1100 € haben. Sie bekommt ein Grundeinkommen von 1000 €. 550 € ihres Einkommens gehen in die Grundeinkommenskasse. Person C hat somit ein Gesamteinkommen von 1550 €.
Die gemeinsame Grundeinkommenskasse zahlt jetzt monatlich 3000 € aus und nimmt 2100 € ein. Es entsteht ein monatliches Defizit von 900 €.
Person D ist Ingenieur für Umwelttechnologie, hat einen Job in der Windenergiebranche und ein monatliches Einkommen von 4500 € monatlich. Die Arbeit macht ihr großen Spaß, ist aber auch sehr anstrengend. Trotzdem möchte Person D die Arbeit weiter machen. Person D gibt 2250 € in die Grundeinkommenskasse ab. Sie hat somit ein Gesamteinkommen von 3250 € einschließlich des Grundeinkommens.
Die gemeinsame Grundeinkommenskasse zahlt jetzt monatlich 4000 € aus und hat Einnahmen von 4350 €.
Bei diesem Modell bekommen alle Personen unter einem Einkommen von 2000 € mehr aus der Grundeinkommenskasse ausbezahlt als sie ein bezahlen. Bei Menschen mit einem Einkommen über 2000 € ist das dann umgekehrt.
Die Gruppe kann einzelne Faktoren verändern. Senkt sie z.B. den Selbstbehalt des Zusatzeinkommens auf 25 % ab, ist die Grundeinkommenskasse deutlich schneller auszahlungsfähig. Damit sinkt auch gleichzeitig die Grenze derer, die ihren Hinzuverdienst umverteilen auf etwa 1300 € ab.
Reicht das Geld aus, um allen ein Grundeinkommen auszubezahlen, ist die Gründungsphase vorbei und die Gruppe kann beginnen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass das Geld zur Umsetzung dieser Variante erst mal nicht ausreicht, ist relativ hoch. Jetzt wird sich zeigen, wie die Gruppe damit umgeht.
Sie kann z.B.
- innerhalb ihres Kreises Modalitäten aushandeln, wie die Grundeinkommenskasse durch andere Verteilung gefüllt werden kann. Beispiel: Die Schreinerin möchte vielleicht lediglich die Zeit für ihre Erwerbsarbeit reduzieren. Ihr Wunsch war es nicht, ihr Einkommen zu erhöhen. Ist sie, und sind andere bereit, sich mit ihren Bedürfnissen auseinander zu setzen? Ist die Schreinerin – oder andere – bereit, einen höheren Anteil ihres Verwertungseinkommens in die gemeinsame Grundeinkommenskasse zu geben? Spätestens hier beginnt die Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen.
- Sie kann einen Unterstützerkreis für die Idee „Umsetzung eines bedingungslosen Grundeinkommens“ entwickeln. Menschen, die nicht direkt teilnehmen wollen, können finanziell dazu beitragen, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen entstehen kann. Spätestens hier wird der Versuch öffentlich und somit politisch relevanter.
- Sie kann z.B. nach außen treten und sich um einkommensstärkere Mitglieder kümmern. Schafft es die Gruppe auf andere Gesellschaftsschichten zuzugehen, sich mit deren Bedürfnissen auseinanderzusetzen, sich den Gefühlen von Abgeben und Bekommen auszusetzen?
- Sie kann andere Ideen entwickeln.
Umwandlung des bedingungslosen Grundeinkommens zur commonsbased peerproduction, auch Beitragsökonomie oder nicht kommerzielles Wirtschaften genannt:
Vorbemerkung:
Menschen, die ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten, können mit diesem finanziellen Hintergrund weitere Ökonomieformen entwickeln. Z.b. kann sich ein Teil einer Gruppe über eine selbstgewählte Form der gemeinsamen Ökonomie untereinander oder mit anderen Menschen verbinden. Je größer die Gruppe – oder das Netz der Gruppen – ist, desto höher kann der nichtmonetäre Austausch der Mitglieder untereinander sein. Dadurch kann auch eine Reduzierung des Grundeinkommens und des Beitrags in die Grundeinkommenskasse möglich werden.
Ein bedingungsloses Grundeinkommen kombiniert mit einer Beitragsökonomie, einer commonsbased peerproduction:
Ein Grundeinkommen ist eine gute Grundlage für die Weiterentwicklung zur Beitragsökonomie, zur commonsbased peerproduction:
Die Mitglieder einer Grundeinkommensgruppe bieten ihre Produkte und Dienstleistungen nicht nur intern, sondern für alle Menschen an. (zB. ökologische Bauberatung, Lederartikel, Bautätigkeiten, Bachblütentherapie, Gemüse, Geigen reparieren, Ferienwohnung, Bier, Schmuck, Töpfer-, Stockkampf-, Gruppengründungskurse….) Das Angebot der Gruppe an „die Gesellschaft“ setzt sich also aus dem zusammen, was alle gemeinsam aus der Gruppe anbieten können. Sie bieten ihre Leistungen nichtgegen Bezahlung an. Unabhängig dessen, was und wie viel sie anbieten, brauchen sie für ihr Grundeinkommen Geld oder einen Kopierer, eine Supervision, ein Auto, eine Fahrkarte, ein Föhn, eine Party, Ideen, ein Brauereikessel, ein Cello, eine Kreissäge usw. Die Liste ihrer noch benötigten Dinge ist einsehbar im Internet. Den Menschen, denen sie etwas anbieten, muss bewusst sein, dass eine Gesellschaft – auch diese kleine – nur funktioniert, wenn auch sie zum Lebensunterhalt anderer etwas beitragen. Die „Beschenkten“ bezahlen also nicht für die erhaltenen Leistungen oder Produkte. Sie können – unabhängig von der Höhe der erhaltenen Leistung – zum Erhalt der kleinen Gesellschaft oder wahlweise der gesamten Gesellschaft beitragen, oder das auch sein lassen.
Ein konkretes Beispiel:
Person A macht einen Töpferkurs bei Person Ai. Person Ai ist Teil des inneren Beitragsökonomiekreises. Person A findet die Idee so gut, dass sie in die Grundeinkommenskasse einen monatlichen Beitrag von 100 € einbezahlt.
Person B bekommt von Person Bi ihre Geige renoviert. Person B freut sich über das Schnäppchen und empfiehlt Bi weiter.
Person C bestellt bei Person Ai Töpferware. Sie hat für Steuerberatungsbüro gerade einen neuen Bildschirm gekauft. Person Ci macht biologische Bauberatung, hatte auf der Beitragsökonomieseite im Internet mitgeteilt, dass sie einen neuen Bildschirm braucht. Person C hat das gelesen und gibt zwei Bildschirme ab. Einen für Person Ci und einen für den Fall, dass ihn noch eine Person aus dem Kreis benötigt.
Wenn die Mitglieder der Gruppe ein bedingungsloses Grundeinkommen und teilweise zusätzliches Einkommen haben, sind sie damit wahrscheinlich finanziell gut ausgestattet. Wenn Sie darüberhinaus ihre Produkte und Dienstleistungen „kostenlos“ nach Außen geben, können sie mit den von Außen erhaltenen Sach- und Dienstleistungsbeiträgen die Höhe des Grundeinkommens verringern, weil sie einiges nicht mehr kaufen müssen. Das ermöglicht die Aufnahme neuer Mitglieder. Je größer die Gruppe wird, desto einfacher wird es also auch für sie zu wachsen.
Ein Artikel für die Contraste zum Vernetzungstreffen Gemeinsame Ökonomien im Oktober 2011
Die Unsichtbarkeit Gemeinsamer Ökonomien
Hier zu Lande gibt es eine Vielzahl gemeinsamer Ökonomien (GemÖk, auch: Finanzkooperativen), also Gruppen von Menschen, die ihr Privateigentum zumindest teilweise zugunsten von Gemeinschaftseigentum aufgegeben haben und gemeinsam versuchen solidarisch, hierarchiefrei und bedürfnisorientiert zu wirtschaften. In der Regel führt die Gruppe ein Gemeinschafts-Konto, auf das laufenden Einnahmen eingezahlt werden und über das alle gleichermaßen selbstbestimmt verfügen können. In manchen Fällen sind auch Ersparnisse, Erbschaften und Schulden kollektiviert. Viele der GemÖks sind außerhalb von Kommunen organisiert und agieren im Privaten – ohne Vernetzung und Sichtbarkeit nach außen.
Von Sigrun Preissing. Welche Voraussetzungen braucht Mensch, um sich in einer Gemeinsamen Ökonomie mit anderen wohl zu fühlen? Sicherlich den Willen durch konkretes Handeln zumindest im Kleinen Besitzunterschiede zu überwinden und ungleiche Chancenverteilung aufzubrechen. Vielleicht auch den Wunsch nach Freiräumen. Einen Schritt weg vom Arbeitszwang, von der kapitalistischen Waren- und Verwertungslogik, die jeder Arbeit einen Geldwert zuordnet, unabhängig davon, welchen Sinn diese für Mensch und Mitwelt macht. Freiräume für mich und Andere, die Platz für politische Arbeit, Reproduktion und Regeneration schaffen. Ganz sicher braucht es aber auch die Bereitschaft einen Umgang mit inneren und äußeren Grenzen zu finden.
Innere und Äußere Grenzen
Auch wenn ich die politische Idee verfolge, mit meiner GemÖk durch langfristige solidarische Beziehungen ein gemeinsames Sicherheitsnetz zu bauen, das diejenigen mit geringerem oder keinem Einkommen trägt, das dem gesellschaftlichen Trend der Marginalisierung, Armut und Individualisierung entgegenwirkt, bin ich immer wieder mit der Ungleichzeitigkeit zwischen meinem Denken, Handeln und Fühlen konfrontiert. Selbst wenn ich die Umwandlung von Privat- in Gemeineigentum wichtig und richtig finde, auch danach handle – in meiner GemÖk und anderswo – kann es trotzdem sein, dass mein Gefühl hinterherhinkt. Einfach weil ich es anders gelernt habe oder in meiner Umwelt ständig mit Individualisierung, Wachstumszwang und Profitmaximierung konfrontiert bin. Interessant wird es, wenn die Ressourcen knapp sind. Wie finanzieren wir einem meiner GemÖk-Mitglieder die berufliche Umorientierung, wenn gerade sowieso Ebbe in der Kasse ist? Tief in mir regt sich ein „Kann er nicht einfach weiter als Schreiner arbeiten? Es war doch gar nicht so schlimm und verdient hat er auch besser. Ich muss ja gerade auch ganz schön ranklotzen.“ Hoppla, da war sie wieder die kapitalistische Verwertungslogik. Dabei hatte ich doch schon mal für mich klar, dass ich möchte, dass wir nach unseren Fähigkeiten arbeiten und nach unseren Bedürfnissen leben. Ach und da war ja noch was. Ich wollte ja auch auf meine eigenen Bedürfnisse achten. Ich MUSS ganz schön Ranklotzen? Da hat mich auch noch meine protestantische Arbeitsethik links überholt. Immer wieder wird deutlich: GemÖk bietet viel Raum für gemeinsame und individuelle Reflexion. Über Arbeitsverhältnisse, Konsummuster, Wohlstand und Bedürfnisse.
Schwerpunkte für die inneren Grenzen sind von Person zu Person und von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich. Viel hängt davon ab, welchen Umgang ich mit Austausch, Gegenseitigkeit und Vertrauen gelernt habe. Entscheidend ist aber auch, in welchen Rahmenbedingungen sich die Gruppen bewegen. Sind die Einkommensunterschiede in der Gruppe sehr groß? Sind die Lebensrealitäten der Mitglieder sehr unterschiedlichen? Haben sie Kinder? Sind Eltern zu versorgen? Gibt es große Unterschiede bezüglich der Konsumgewohnheiten? Gibt es viele Überschneidungen im Alltag oder leben alle an weit voneinander entfernten Orten? Bin ich bereit, Vertrauen in mein Gegenüber aus mir selbst heraus zu generieren oder mache ich den Umweg über die Kontrolle?
Grenzen werden auch von Außen gesetzt. Wer in einer GemÖk solidarisch mit anderen wirtschaftet und in Kontakt mit Ämtern tritt (z.B. durch den Bezug von Hartz IV) wird immer wieder von Außen individualisiert. Auch unser Erbrecht sieht keine Gemeinsamen Ökonomien außerhalb der Ehe vor.
Für diese und andere Herausforderungen entwickeln GemÖks kreative Lösungen. Manchmal wird über lange Zeiträume diskutiert, mit sich und den Anderen gerungen, bis ein stimmiges Konzept dafür ausgearbeitet ist, wie z.B. mit Flügen umgegangen wird, wie eine solidarische Ausstiegsregelung aussehen kann, wie für die Ausbildung von Kindern in der GemÖk gesorgt werden kann oder wie im Fall der Fälle das Erbe einer Person geregelt wird.
Vernetzung der GemÖks und FinanzKoops
Da zahlreiche gemeinsame Ökonomien im Privaten agieren und ausschließlich über persönliche Beziehungen miteinander vernetzt sind, verbleibt ein großer Reichtum an Erfahrungen, Wissen und Lösungsansätzen im kleinen Kreis. Für die einzelnen Gruppen und auch für Menschen, die nach solidarischen Alternativen zu herrschenden Modellen von Alltagsökonomie, Arbeit und Eigentum suchen, ist das ein großer Nachteil. Sie könnten voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen. Auch das gesellschaftsverändernde Potential durch Ausstrahlung auf andere Menschen bleibt auf der Strecke.
Um der Vereinzelung der unterschiedlichen Gruppen entgegen zu wirken haben nun vier gemeinsame Ökonomien ein Wochenendseminar zum Erfahrungsaustausch und zur Vernetzung von bestehenden GemÖks und FinanzKoops organisiert. Es wird vom 28. bis 30. Oktober 2011 in Kassel stattfinden. Vor allem soll auf diesem Treffen Platz sein, konkrete Fragestellungen und Problemlagen aus den unterschiedlichen GemÖks zu diskutieren und sich über Erfahrungen, Modelle, Lösungsansätze aus anderen Gruppen zu informieren. Der zweite Teil des Seminars dient der Vernetzung nach Innen und Außen. Es wird sich zeigen, ob die TeilnehmerInnen ein Interesse daran haben, sich zukünftig auch finanziell gegenseitig zu unterstützen. Ob es einen gemeinsamen Topf für Notlagen geben könnte oder gar ein Finanzausgleichsmodell. Auf dem Programm steht auch die Frage, ob die GemÖks in Zukunft gemeinsam nach Außen aufzutreten möchten um das Modell FinanzKoop bekannter zu machen. Spannend an diesem Punkt ist die Frage: An welchen Punkten wird eine Gemeinsame Ökonomie oder eine FinanzKoop eigentlich politisch?
Vernetzungstreffen von gemeinsamen Ökonomien und Finanzkooperativen
Freitag 28. – Sonntag 30. Oktober 2011
Karoshi, Gießbergstraße 41-47, 34127 Kassel.
Anmeldung und Informationen: ranuk@web.de
Anmeldeschluss Ende September 2011
So kann eine Beitragsökonomie organisiert werden
Auch für diese Form der Ökonomie bedarf es einige Menschen, die sich zusammenschließen. Die Personen der Beitragsökonomiegruppe bieten Produkte und Dienstleistungen nicht nur für Mitglieder ihrer Gruppe, sondern für alle Menschen an. (zB. ökologische Bauberatung, Lederprodukte, Bautätigkeiten, Bachblütentherapie, Gemüse, Geigen reparieren, Ferienwohnung, Bier, Schmuck, Töpfer-, Stockkampf-, Gruppengründungskurse….) Das Angebot der Gruppe an „die Gesellschaft“ setzt sich also aus dem zusammen, was alle gemeinsam aus der Gruppe anbieten können. Unabhängig dessen, was und wieviel sie anbieten brauchen sie für ihren Lebensunterhalt Geld und Dienstleistungen. Allen Menschen, denen sie etwas anbieten, müssen sie klar machen, dass eine Gesellschaft – auch diese kleine – nur funktioniert, wenn auch sie zum Lebensunterhalt anderer etwas beitragen. Fehlt der Gruppe noch etwas für ihre Existenz, (z.B. ein Kopierer, eine Supervision, Geld, ein Auto, eine Fahrkarte, ein Föhn, eine Party, Ideen, ein Brauereikessel, ein Cello, eine Kreissäge….) teilt sie das auf ihrer Suchseite im Internet mit. Wenn die Gruppe genug Existenzmittel auf irgendeine Art zusammen bekommen kann, ist es auch egal, ob die Menschen außerhalb der Gruppe ihren Beitrag in die Gruppe oder in die Gesellschaft einbringen.
Auch hier sind noch einige Details zu klären: Gruppeninterne Recourcenverteilung, Entkopplung von der Erwerbsarbeit zur Schenkökonomie ohne Recourcenknappheit, Steuerrechtliches und Organisationsform, Gruppengröße….
ein bedingungsloses Grundeinkommen selbst organisieren
Vorbemerkungen:
Ein staatliches bedingungsloses Grundeinkommen, sollte es das je einmal geben, bedarf großer gesellschaftlicher Veränderungen. Diese brauchen Zeit. Ein zeitnah umgesetztes bedingungsloses Grundeinkommen geht nur in Selbstorganisation, ist dadurch aber auch machbar.
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Bei diesem bedingungslosen Grundeinkommen handelt es sich (wie bei allen anderen öffentlich diskutierten Grundeinkommen), um eine spezielle Form des Grundeinkommens. Das bedingungslose Grundeinkommen gibt es nicht.
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Für ein bedingungsloses Grundeinkommen bedarf es vieler Bedingungen. Bedingungslos ist das Einkommen.
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Bei der Umsetzung unseres Vorschlags ist uns wichtig: Ein Grundeinkommen muss Armut verhindern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Ein Grundeinkommen unter 1000 € möchten wir in Süddeutschland nicht umsetzen.
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Personen, die unser selbst organisiertes Grundeinkommen erhalten, sollen dieses bedingungslos erhalten. Ein Grundeinkommen, das zur Bedingung hat, dass teilnehmende Personen einer Erwerbsarbeit nachgehen, möchten wir nicht ausführen. Es soll so organisiert werden, dass jedeR die Wahl hat, „nur“ das Grundeinkommen zu erhalten, oder darüber hinaus auch einer Erwerbsarbeit nachzugehen.
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Einen Rechtsanspruch für alle können wir in Selbstorganisation nicht verwirklichen. Somit können vorerst nur die Menschen, die sich ein bedingungsloses Grundeinkommen selbst organisieren, dieses auch bekommen.
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Die Umsetzung unseres bedingungslosen Grundeinkommens setzt eine Gruppe voraus.
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Der folgende Beitrag ist eine Idee zur Umsetzung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Bei der praktischen Umsetzung werden sich Modalitäten im Gruppenprozess verändern, weil sie den Gegebenheiten angepasst werden müssen.
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Ein bedingungsloses Grundeinkommen, selbst organisiert oder staatlich umgesetzt, ist eine andere Verteilung der Ergebnisse, die eine Gesellschaft aus Produkten und Dienstleistungen erwirtschaftet. Menschen, die im Verteilungsprozess deutlich mehr Geld bekommen als andere, werden weniger Geld haben. Der Versuch, ein bedingungsloses Grundeinkommen selbst zu organisieren, braucht Menschen, die bereit sind, ihr Einkommen anders zu verteilen, als es zur Zeit gehandhabt wird.
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Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens verändert die betroffenen Menschen. Eine Voraussetzung für das Gelingen ist die Bereitschaft der Teilnehmenden, sich auf innere Veränderungen einzulassen
praktische Umsetzung
Begonnen wird der Prozess mit 15 – 30 an einem bedingungslosen Grundeinkommen interessierten Personen. Sie schließen sich zu einer Gründungsgruppe zusammen. Die Erarbeitung setzt einen gemeinsamen Prozess voraus. Deswegen ist es sinnvoll, wenn diese Menschen sich teilweise kennen, zusammenarbeiten und sich über einen begrenzten Zeitraum regelmäßig treffen können. Darüber hinaus sollte Grundwissen über das bedingungslose Grundeinkommen und die Beitragsökonomie vorhanden sein. Auch eine Auseinandersetzungsbereitschaft mit zu erwartenden entstehenden negativen Gefühlen beim nichtliquidierenden Tausch (z.b. Neid, schlechtes Gewissen) sollte mitgebracht werden. Um Erfahrungen und Forschungsergebnisse öffentlich machen zu können, bedarf es einiger Menschen aus der Gruppe, die bereit sind, sich zu präsentieren.
Die Gründungsgruppe legt erstens fest, wie hoch das Grundeinkommen und zweitens, wie hoch der Anteil des eventuell vorhandenen Einkommens sein soll, den jeder Einzelne in eine gemeinsame Grundeinkommenskasse ein bezahlt. Damit ist auch festgelegt, wie hoch der Anteil ist, den JedeR über das Grundeinkommen hinaus individuell dazu- verdienen kann. Damit das Grundeinkommen bedingungslos bleibt und keiner aus finanziellen Gründen für die Gruppe seine Arbeitskraft verkaufen muss, muss ein Teil der Grundeinkommenseinnahmen in der Kasse bleiben. Das macht auch für den Fall Sinn, dass zahlungskräftigere Personen die Gruppe verlassen wollen, ohne die Gruppe zu gefährden.
Im folgenden Beispiel bekommen die Mitglieder 1000 € Grundeinkommen und behalten, falls sie ein gewerbliches Einkommen haben, die Hälfte davon für sich:
Person A ist verbeamtete Lehrerin in Teilzeit und möchte das auch vorerst bleiben. Sie hat ein Einkommen von monatlich 2500 €. Sie bekommt nun ein Grundeinkommen von 1000 .€ und gibt die Hälfte ihres gewerblichen Einkommens, also 1250 € in die Grundeinkommenskasse. Die Person A hat somit ein Gesamteinkommen von 2250 €. einschließlich eines Grundeinkommens. Die Grundeinkommenskasse kann somit 250 € monatlich an andere Mitglieder umverteilen.
Person B gibt Gitarrenunterricht, hat ein unregelmäßiges Einkommen von durchschnittlich 600 €. Sie bekommt ein bedingungsloses Grundeinkommen aus der gemeinsamen Kasse von 1000 €. 300 € ihres Einkommens gehen an die Grundeinkommenskasse. Person B hat somit ein Gesamteinkommen von 1300 € einschließlich eines Grundeinkommens. Die Grundeinkommenskasse wird somit mit 700 € belastet.
Die gemeinsame Grundeinkommenskasse zahlt jetzt monatlich 2000 € aus und nimmt 1550 € ein. Es entsteht ein Defizit von 450 € monatlich.
Person C ist Schreinerin und hat ein monatliches Einkommen von 1400 €. Die Arbeit macht ihr Spaß, sie möchte aber nur noch 30 Stunden die Woche arbeiten. Sie wird dann ein Einkommen von 1100 € haben. Sie bekommt ein Grundeinkommen von 1000 €. 550 € ihres Einkommens gehen in die Grundeinkommenskasse. Person C hat somit ein Gesamteinkommen von 1550 €.
Die gemeinsame Grundeinkommenskasse zahlt jetzt monatlich 3000 € aus und nimmt 2100 € ein. Es entsteht ein monatliches Defizit von 900 €.
Person D ist Ingenieur für Umwelttechnologie, hat einen Job in der Windenergiebranche und ein monatliches Einkommen von 4500 € monatlich. Die Arbeit macht ihr großen Spaß, ist aber auch sehr anstrengend. Trotzdem möchte Person D die Arbeit weiter machen. Person D gibt 2250 € in die Grundeinkommenskasse ab. Sie hat somit ein Gesamteinkommen von 3250 € einschließlich des Grundeinkommens.
Die gemeinsame Grundeinkommenskasse zahlt jetzt monatlich 4000 € aus und hat Einnahmen von 4350 €.
Bei diesem Modell bekommen alle Personen unter einem Einkommen von 2000 € mehr aus der Grundeinkommenskasse ausbezahlt als sie ein bezahlen. Bei Menschen mit einem Einkommen über 2000 € ist das dann umgekehrt.
Die Gruppe kann einzelne Faktoren verändern. Senkt sie z.B. den Selbstbehalt des Zusatzeinkommens auf 25 % ab, ist die Grundeinkommenskasse deutlich schneller auszahlungsfähig. Damit sinkt auch gleichzeitig die Grenze derer, die ihren Hinzuverdienst umverteilen, auf etwa 1300 € ab.
Reicht das Geld aus, um allen ein Grundeinkommen auszubezahlen, ist die Gründungsphase vorbei und die Gruppe kann beginnen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass das Geld zur Umsetzung dieser Variante zunächst nicht ausreicht, ist relativ hoch. Jetzt wird sich zeigen, wie die Gruppe damit umgeht.
Sie kann z.B.
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innerhalb ihres Kreises Modalitäten aushandeln, wie die Grundeinkommenskasse durch andere Verteilung gefüllt werden kann. Beispiel: Die Schreinerin möchte vielleicht lediglich die Zeit für ihre Erwerbsarbeit reduzieren. Ihr Wunsch war es nicht, ihr Einkommen zu erhöhen. Ist sie, und sind andere bereit, sich mit ihren Bedürfnissen auseinanderzusetzen? Ist die Schreinerin – oder andere – bereit, einen höheren Anteil ihres Verwertungseinkommens in die gemeinsame Grundeinkommenskasse zu geben? Spätestens hier beginnt die Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen.
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Sie kann einen Förderkreis für die Idee „Umsetzung eines bedingungslosen Grundeinkommens“ entwickeln. Menschen, die nicht direkt teilnehmen wollen, können finanziell dazu beitragen, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen entstehen kann. Spätestens hier wird der Versuch öffentlich und somit politisch relevanter.
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Sie kann z.B. nach außen treten und sich um einkommensstärkere Mitglieder kümmern. Schafft es die Gruppe, auf andere Gesellschaftsschichten zuzugehen, sich mit deren Bedürfnissen auseinanderzusetzen, sich den Gefühlen von Abgeben und Bekommen auszusetzen?
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Sie kann andere Ideen entwickeln.
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Sie kann sie mit einer Beitragsökonomie verknüpfen
Ziele
Entwicklung von neuen Ökonomiesystemen, Förderung von ökonomischen Alternativansätzen
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In unserem Wirtschaftssystem haben sich mehrere alternative Wirtschaftsformen entwickeln können. Die Hoffnung einiger daran beteiligter Menschen, Keimformen zu entwickeln, die in so großem Maße Nachahmung finden, dass das derzeitige Wirtschaftssystem obsolet werden könnte, hat sich (bisher) nicht bestätigt. Trotzdem halten wir es für sinnvoll, den bestehenden Alternativansätzen weitere Formen hinzuzufügen, in der Hoffnung, spätestens bei einem Wirtschaftszusammenbruch mit tragfähigen Alternativen und den daraus resultierenden Erfahrungen zu einer (oder mehreren) neuen Wirtschaftsordnung(en) beitragen zu können. Mit diesem Projekt wollen wir eine neue Ökonomieform entwickeln, die relativ einfach Nachahmer finden kann.
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Freiräume schaffen für Menschen, die die Alternativen umsetzen möchten, Aufhebung des Zwangs zur monetären Verwertung der Arbeit
Die uns bekannte Anzahl an Menschen, die bereit sind, zum Gelingen der Gesellschaft beizutragen, aber damit beschäftigt sind, ihren Lebensunterhalt durch die Vermarktung ihrer Arbeitskraft zu verdienen, ist groß. Häufig wird versucht, sich dafür individuelle Freiräume zu schaffen. Um zeitliche Kapazitäten zu erhöhen, wird der Verkauf der Arbeitskraft begrenzt. Viele engagierte Menschen bewegen sich damit an der Grenze zum Prekariat. Häufig wird eine Arbeit geleistet, die später von Konzernen verwertet wird. Viele der Menschen, die z.B. die Ökologie ins Bewusstsein der Gesellschaft getragen haben, sind, weil sie wenig „gearbeitet“ haben, ohne Altersabsicherung. Konzerne schöpfen Gewinne mit der Vermarktung der Bewusstseinsveränderung. Eine Befreiung aus dem Zwang zur monetären Verwertung der Arbeit ist für eine gemeinschaftlichere Gesellschaftsgestaltung dringende Voraussetzung. Um neue Ökonomieformen zu entwickeln, brauchen Menschen den dafür notwendigen finanziellen oder materiellen Hintergrund. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist dafür eine gute Basis.
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Entkopplung Einkommen, menschenwürdige Existenz
Der von der Menschheit geschaffene und der von der Natur zur Verfügung stehende Reichtum reicht aus, um allen langfristig ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Er reicht auch dann aus, wenn ein kleiner Teil der Gesellschaft nicht kooperiert. Er reicht nicht aus, wenn die Freiheit erhalten bleibt, sich grenzenlos an Umwelt und Mitmenschen zu bereichern. Eine Entkopplung von Einkommen und Lebensunterhalt ist alleine deshalb schon nötig, weil nicht für alle Menschen monetär verwertbare Arbeit zur Verfügung steht.
soziale Grundsicherung
Dieser Konzeptansatz beinhaltet erste Schritte hin zu einem gesamtheitlichen solidarisch wirtschaftenden System. Es bezieht daher (noch) das derzeit bestehende Wirtschaftssystem ein. Grundvoraussetzung ist die Verankerung in der Wirtschaft mit Unternehmen (einzel, kollektiv, genossenschaftlich), welche einen Überschuss erwirtschaften, aus welchem Rücklagen gebildet werden.
Grundlage ist einerseits der Gedanke, dass diese (Renten)Rücklagen in (neue) solidarisch wirtschaftende Projekte, welche ebenso einen Überschuss produzieren, investiert werden und andererseits es eine individuelle persönliche Beteiligung an einem gemeinsamen Netzwerk gibt. In diesem Gedanken ist also enthalten, dass Menschen produktiv an Prozessen beteiligt sind und dabei mehr produzieren, als sie zum Überleben benötigen.
In einem Netzwerk sozialer Grundsicherung wird dieser Überschuss getauscht, statt ihn zu verkaufen, um mit dem erhaltenen Geld etwas anderes zu erwerben. Ein Teil der Bedürfnisse kann somit befriedigt werden.
Des Weiteren können neue Projekte von bestehenden Projekten initiiert werden, um jene Bedürfnisse zu befriedigen, welche noch nicht über das Netzwerk abgedeckt sind.
So kann etwa ein Projekt A ein Projekt B finanziell und/oder materiell dabei unterstützen, ein Projekt C neu zu initiieren. Dieses Projekt C würde dann Projekt A mit seinen Produkten beliefern, um die erhaltene Unterstützung zurück zu zahlen.
Es wird als deutlich, dass dieses Konzept produktionsbezogen und materiell ausgerichtet ist, denn wir sind abhängig von Produktionsmitteln, um überleben zu können. Der Hintergedanke besteht darin, diese sich selber zu schaffen, wie wir sie haben wollen, statt sie revolutionär anzueignen.
Ebenso können Gelder aus Spenden und Förderungen in diese wirtschaftliche Projekte investiert werden und damit produktiv sein, allerdings nicht als Rendite sondern als Produkte, welche innerhalb eines solidarisch-ökonomischen Rahmens getauscht werden bzw. darüber hinaus verkauft werden können. Solidarisch heißt somit, dass nicht nur für sich selbst produziert wird, sondern auch für andere.
Rentenfond zur Altersvorsorge:
Geld, welches eingezahlt wird, finanziert Projekte nach oben benannten Prinzip. Zudem fließt Zeit und Arbeitskraft, welche von Menschen in die Projekte investiert werden in Form von produzierten Gütern in den Rentenfond. Davon können zum Teil Menschen im Rentenalter finanziert und versorgt werden. Demnach funktioniert es ähnlich wie der Staat, mit dem Unterschied, dass alle gleich behandelt werden.
Ein Teil des Geldes wird in Immobilien angelegt (Beispiel Stiftung Abendrot) . Darin ist zum einen eine faire Miete zu zahlen und zum anderen können fair wirtschaftende Betriebe als Mieter bevorzugt werden. Aus der Miete wird die Rente der Einzahler bezahlt. Neben der Miete der darin wirtschaftenden Betrieben fließt auch der Überschuss dieser solidar-ökonomischen, mit Gelder aus dem Rentenfond initiierten Betriebe wieder in den Rentenfond und finanziert die Rente gegen.
Haben Menschen kein Geld als Einzahlungsmittel, können sie Guthaben mit Arbeitsleistung aufbauen.
Die Einnahmen des Rentenfond (Mieten etc) versorgt eine Anzahl von Personen, die bedürftig sind und behält einen Teil der Einnahmen als Puffer, falls Einnahmen ausfallen und Personen trotzdem noch versorgt werden können. Wird der Puffer zu groß, können weitere Personen damit versorgt werden.
Grundsatzannahme: es gibt Leute, die Lust haben, wirtschaftlich tätig zu sein und damit auch Gewinn erzielen, den sie mit anderen teilen wollen. Sie wollen also einen Mehrwert schaffen, um für andere produktiv tätig zu sein. In der heutigen Gesellschaft wäre das unnormal, da der Mainstream davon ausgeht, nur für sich selbst zu wirtschaften und Profit zu machen.
Des weiteren sind ökologische und soziale Kriterien, innerhalb deren gewirtschaftet wird, zu finden Es soll nicht darum gehen, in erster Linie einen möglichst hohen Gewinn erzielen zu wollen, ohne externe und andere Effekte zu berücksichtigen.
Ein weiterer Teil des Überschuss kann zudem für politische, kulturelle, gesellschaftliche Projekte verwendet werden, um diese Arbeit abzusichern, da sie einen wichtigen Beitrag darstellt.
Praktisch und pragmatisch gehört zu den nächsten ersten Schritten auch, Menschen zu finden, die unternehmerisches Interesse haben, besagte Betriebe anzufangen und aufzubauen. Langfristig kann es so auf diese Weise möglich sein, immer weiter in der Wertschöpfungskette zurückzugehen und solidarisch wirtschaftende Formen auch im Transport und Vertrieb, in der Bereitstellung von Wasser, Energie, Rohstoffen einzuführen.
Zusammenfassung des Sommertreffens vom 31.7. bis 6.8. 2010 in Herleshausen und der KoWa
- Erwartungen und Wünsche der TN
- Vision
- Profil und was ist das Besondere an anavan?
- Struktur
- Diskussion Gemeingüter
- Weiteres Vorgehen (Strategie)
- Lokales Netzwerk WerraNetz
- Zusammenfassende Matrix
- Weitere Termine
1. Erwartungen und Wünsche der TN
Punkte und Fragestellungen, die von den TN genannt wurden, um in der Woche behandelt zu werden:
Inhaltlich:
- Internationale Umsetzungsmöglichkeiten und Implikationen für Inhalt (von anavan)
- Gemeingut und Almende in der Praxis
- praktische Umsetzung anavan sowie Thematik der unterschiedlichen Breite von Mitwirkungen
- lokale Tauschbörse
- Gesamtvision für anavan (gesellschaftlich)
- Finanzierung und Fundraising (Spenden, Genossenschaft, Stiftung)
- Generationenfrage
- Messbarkeiten und Messlatten für Tätigkeiten (soz., ökol., ökon.)
- Suffizienz- Umsetzung/Decroissance
- sozialer Footprint (vs. Rein ökologischer Fußabdruck) – Label/Vertriebs-eG
Strukturell:
- Öffentlichkeitsarbeit: Ideen unter Leute bringen: Bewusstsein (wieder er-)schaffen, Selbstbestimmung
- Strategie und Plan für weiteres vorgehen
- Stiftung für Gemeingüter
- Mitwirkungsformen und -breiten innerhalb der Bewegung
- Genossenschaft als Demokratisierung im Wirtschaftlichen
- Diskussionsforen, Seminar zu großen Fragestellungen: soziale Grundsicherung, etc
- Supervision
- Transparenz und Kommunikation
- Prioritäten
2. Vision
anavan versteht sich als „Bewegung von Bewegungen“, als überregionale/internationale Sammlungsbewegung zur Ablösung des Kapitalismus. Dies klingt zuerst einmal recht hoch gesteckt mit einem derzeit noch recht kleinen Aktiven-Kreis. Dahinter steht der Wunsch, die vielen verschiedenen bestehenden Projekte (punktuell) zusammen zu bringen, um gemeinsam größere ökonomische und gesellschaftliche Projekte zu entwickeln sowie umzusetzen und voneinander zu lernen.
Ziel ist die Entwicklung hin zu einer tatsächlich sozialen und ökologischen nachhaltigen Gesellschaft und zu einer interkulturellen Gerechtigkeit, auf gesellschaftlicher Ebene, im eigenen Leben und in der Gemeinschaft. Diese Ziele finden sich vermutlich auch in vielen der angesprochenen Projekte. Als Begriffe sind sie zu konkret zu füllen.
3. Profil und was ist das Besondere an anavan?
In einem inhaltlichen Profil finden sich weitere Schlagwörter als Zielvorstellungen und als gemeinsame Wertebasis:
- kapitalismuskritisch
- antipatriachalisch
- Umgang auf gleicher Augenhöhe
- Abgrenzung zu nationaler Solidarität
- selbstbestimmt von unten
- werte- statt profitorientiert
- Vielfalt solidarischer Ökonomien stärken
- politisch agieren
- soziokulturell experimentieren
- soziale Grundsicherung schaffen
- gesund schrumpfen
- nutzen statt besitzen
- weitere Vernetzung von verschiedenen gemeinsamen (Teil-)Ökonomien
Zudem, und darin liegt unserer Meinung nach das Besondere, wird anavan immer wieder neu erfunden. Das heißt, bei jeder Aktion und jedem Projekt entscheiden die jeweiligen Beteiligten selbst über ihre Strukturen. Anavan unterliegt damit dem Veränderungsprinzip: Es wird definiert von den Beteiligten und befindet sich in einem ständigen Diskussionsprozess. Ebenso kann sich jede und jeder als Individuum, Einzelprojekt und Netzwerk mit anavan identifizieren, neben der alltäglichen Identifizierung mit eigenen Projekten. JedeR entscheidet selbst über Art und Intensität einer Beteiligung. Anavan ist (diffusions-) offen. Abgegrenzt zu einer Beliebigkeit wird es durch oben genanntes Grundverständnis.
4. Struktur
Aufgrund der Offenheit besteht eine organische Organisationsform, abhängig von der Lokalität, Regionalität oder Überregionalität des Wirkungsfelds. Daraus ergeben sich verschiedene Kommunikation- und Entscheidungsformen,welche nicht im Voraus festgelegt werden sollen, jedoch auf der Grundlage von Vertrauen und Transparenz aufbauen.
5. Diskussion Gemeingüter
Die Gemeingüterdebatte ist momentan in vollem Gange. Auch die Praxis zeigt viele Beispiele des „Nutzen statt besitzen“. Neben der freiwilligen Beteiligung ist gesellschaftlich gesehen ein Wertewandel notwendig, sowie eine öffentliche Debatte über das (Privat)Eigentum. In der Diskussion während des Sommertreffen gab es verschiedene Ansatzpunkte:
- - Teilen von Wissen und immateriellen Gütern innerhalb anavan, z.B. über anavan-Wiki
- Nutzungsgemeinschaften innerhalb anavan, die (materielle) Güter anderen anavan-Beteiligten zur Verfügung stellen, z.B. Ressourcen-Pool
- Nutzungsgemeinschaft anavan, z.B. Stiftung „Solidargüter“
Hierzu sind Regelwerke für die Nutzung innerhalb anavan aufzustellen. Bezüglich der Idee einer Stiftung ist zu klären:
- - ist es sinnvoll, eine neue Stiftung zu gründen, oder die Idee in bestehende Stiftungen zu integrieren?
- Stiftungsziel ist es, Immobilien, Boden, Produktionsmittel, Infrastruktur etc. dem Kapitalmarkt und Privateigentum zu entziehen und Personen/Gruppen/Projekten zur Nutzung zur Verfügung zu stellen. Woher kommen Mittel dafür, bzw. wer überlässt der Stiftung Objekte?
- welche Kriterien für die Nutzung sind notwendig
6. Weiteres Vorgehen (Strategie)
Es ergeben sich vier Dimensionen: Informieren, Entwickeln, Agieren, Finanzierung, wobei alle prioritär sind und daher auf allen Bühnen gleichzeitig getanzt wird, so wie es eben geht. Unterstützung ist natürlich herzlich willkommen.
Informieren:In Bezug auf die Ziele von anavan durch Infoveranstaltungen und Infotour im Frühjahr 2011, auf Foren, Kongressen u.ä. Anavan vorstellen, durch verschiedene Medien (Internet, Printmedien etc) um Zahl der anavan-Aktiven zu vergrößern. Allgemein zur Unterstützung vom Aufbau einer Gegenöffentlichkeit informieren, z.B. durch den Vertrieb und Verkauf von Produkten, Entwicklung eines Label, etc.
Entwickeln:Inhaltlich an konkreten Themen arbeiten. Neben der bereits genannten Stiftungsidee geht es derzeit um die Schaffung eines Label für Produkte aus solidarischer Ökonomie, Eine AG zu der Thematik soziale Grundsicherung trifft sich im November. Außerdem besteht Interesse, an dem Komplex Geld-Geldsystem-abschaffen-eigenes Finanzsyndikat-aufbauen-andere Tauschformen inhaltlich weiter zu arbeiten.
Agieren: Gründung einer Genossenschaft für den Vertrieb, Tausch und Verkauf von Produkten aus solidarischer Ökonomie. Eine weitere Idee wirtschaftlicher Projekte ist die Gründung einer Brauereigenossenschaft. Dazu gibt es ein Treffen im Oktober. Neben den genannten wirtschaftlichen Projekten geht es ganz pragmatisch um die vielen verschiedenen Möglichkeiten des Machen und Mitmachen, d.h. Vernetzung von Einzelprojekten zur gegenseitigen Unterstützung (siehe Ressourcen-Pool). Es sollen regelmäßige Sommer- & Wintertreffen und andere Veranstaltungen zum Austausch und zur Diskussion stattfinden.
Es gibt viele Möglichkeiten mitzumachen: Infrastruktur, Wissen, Ressourcen zur Verfügung zu stellen, sich an den inhaltlichen Diskussionen beteiligen bzw. an deren Umsetzungen mitarbeiten.
7. Lokales Netzwerk WerraNetz
Im Umkreis Eisenach/Herleshausen finden sich momentan Menschen zusammen, die unverbindlich auf der Ebene einer Tauschbörse Fähigkeiten, Ressourcen, Ideen und Zeit anderen zur Verfügung stellen bzw. benötigen. Dieser Tausch beruht auf Sich-gegenseitig-kennen und die Tauschenden machen selbst die Bedingungen aus, ohne das es eine für alle verbindliche Werteinstanz gibt (Punkte,Taler, Stunden etc). Es finden regelmäßige offene Treffen statt.
8. Zusammenfassende Matrix
| Vision/Ziel | Strategie | Ansätze zur Umsetzung |
| Soziale und ökologische Nachhaltigkeit und Interkulturelle Gerechtigkeit | - Politisch agieren- Priorität auf Werten statt auf Profit
- Gesund Schrumpfen - Kapitalismuskritik - Nord-Süd-Gefälle auflösen |
- Label für Produkte aus solidarischer Ökonomie und Vertrieb dieser
- gemeinsame Nutzung von Ressourcen - Wiederverwendung von Ressourcen (Bsp. Herleshausen: Recycling von Baustoffen) - Nutzung und Verbreitung von Low-Tech-Mechanismen (erneuerbare Energie etc.) |
| Nutzen statt Besitzen | -Gesellschaftlicher Wertewandel
- Umverteilung von oben nach unten (statt von unten nach unten) - ökonomische Gleichberechtigung - Diskussion und Bewusstsein schaffen über Institution Geld und Alternativen |
- Stiftungen für Solidargüter und Almenden
- Förderer: (Teil von Privat-) Eigentum für kollektive Nutzung bereitstellen - Weiterentwicklung der kommunitären/ gemeinsamen Ökonomie mit starker Innen/Außen-Abgrenzung hin zu gemeinsamen Teilökonomie mit Beteiligungs-selbstbestimmung - Genossenschaften als Schritte auf Weg zu Gemeingüter |
| Vielfalt solidarischer Ökonomien | - Stärken und Vernetzen vonsolidarischen Ökonomien, um größere
Teilökonomische Projekte umzusetzen |
- ökonomische Selbstbestimmungermöglichen, z.B. durch Genossenschaften |
| Generationen-gerechtigkeit | - Möglichkeiten des Lehren und Lernen innerhalb von Netzwerken - Weitergabe von Projekten an nächste Generation bei verbleibender Nutzungsmöglichkeit |
- „sozio-kulturelle Laboratorien“/ Freiräumezur Verfügung stellen sowie Bereitstellen von Erfahrung, Wissen etc. für Jugend
- Soziale Netzwerke über Einzelprojekt hinaus aufbauen und stärken, um auch im Rentenalter Zugang zu Ressourcen, Infrastruktur usw. zu haben = Verbund für soziale Grundsicherung (Ausbildung, im Alter, Gesundheit, Grundbedürfnisse usw.) |
| Menschen-würdiges Leben
durch soziale Grundab-sicherung |
- Wertschätzung im Alter(Nützlich sein und Nutzung von vorhandenen Ressourcen)
- Verfügung über Reproduktionsbedingungen und sozialen Netzen |
- Netzwerk und Pool (Ressourcen,Infrastruktur)
- Umverteilung und Tausch nach Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie lokal, regional, überregional bezogen - Bsp: Rentenfond (als Teil der sozialen Grundsicherung) und Tauschnetzwerke |
| Solidarisches Miteinander | - als Teil einer Bewegung- ideelle statt formale Mitgliedschaft
- Diversität des Mitmachens und Unterstützens |
- Identität und Motivation schaffen
- Kunst und Kultur als immanenter Teil menschlicher Grundbedürfnisse und als Medium zum „Weitersagen“ |
| Spaß haben | Spaß haben | Spaß haben (last but NOT least) |
9. Termine
1.-3. Oktober 2010
AG-Treffen Genossenschaften in Könnern. Hierbei geht es um die oben genannten Genossenschaftsideen, welche wir aufgreifen, vertiefen und umsetzen wollen.
26.-28. November 2010
AG-Treffen soziale Grundsicherung in Herleshausen oder in der Kommune Waltershausen. Als Einstieg in die Thematik wird es im Vorfeld eine Zusammenfassung bestehender Aktivitäten sowie kurze Einleitungen vorhandener theoretischer Ansätze geben.
3.-5. Dezember 2010
AG-Treffen Solidarisches Finanzierungsbüro in Tübingen. Konzeptvorstellung und Weiterentwicklung sowie gemeinsame Planung des oben genannten Fundraising-Instrumentes.
24.-27.Februar 2011
Wintertreffen: solidarischer Fasching im(grünen) Herz Deutschlands. Gemeinsam Leben und Denken.
1.-7. August 2011
Sommertreffen
AG-Treffen „soziale Absicherung“ 26.-28.11.2010
Am letzten Novemberwochenende werden wir uns weiter mit Konzepten sozialer Absicherungen – im Alter, im Bedarfsfall, in der Ausbildung – beschäftigen und verschiedene Ideen vertiefen, sowie Praxisbezüge heraus arbeiten.
Hierzu wird im Vorfeld eine kurze Zusammenfassung bestehender Formen und Praktiken erstellt und verschiedene theoretische Konzepte vorgestellt, um eine gemeinsame Diskussionsbasis zu haben.
Diese Zusammenfassung wird dann auch an dieser Stelle demnächst zu finden sein.
Bei Interesse und Infos über bestehende Ansätze meldet euch bei anavan@gmx.net. Wir sind gespannt auf Beiträge!
AG-Treffen „Genossenschaften“ am 2.-3. Oktober 2010
Genossenschaften bieten seit langem die Möglichkeit der (teil)ökonomischen Selbstbestimmung. Jeder von uns kennt welche und doch ist ihr Potential zur Abkopplung vom Kapitalismus und für wirtschaftliche Eigenverantwortung bei weitem nicht ausgeschöpft.
In anavan bestehen verschiedene Ideen genossenschaftlicher Organisation. Am ersten Oktoberwochenende werden wir diese konkretisieren, sowie Umsetzungen erörtern, wobei es nicht beim Erörtern bleiben soll.
So besteht zum einen das Konzept einer Vertriebsgenossenschaft für Produkte aus solidarischer Ökonomie. Ziel ist es dabei auch, ein Label für Produkte solidarischer Ökonomie zu entwickeln und zu etablieren. Interessierte sind herzlich willkommen.
Wenn ihr Lust habt, mit einzusteigen in ökonomische Selbstbestimmung, meldet euch unter anavan@gmx.net.
Heute schon losgegangen?
Erschienen am 27.8.2010 in NeulanD, der monatlichen Beilage des Neuen Deutschland
von Hans-Ullrich Frömmer und Anke Nordt
Die Bewegung für solidarische Gesellschaftsgestaltung – anavan, versammelt Einzelpersonen, Gruppen und Netzwerke, um gemeinsam gesellschaftliche und ökonomische Wege aus der Sackgasse Kapitalismus zu begehen.
Anavan?
Das Bedürfnis nach Veränderung gesellschaftlich bedingter Zusammenhänge ist groß.
Ob global, regional oder lokal, ob bei der gut dotierten Arbeit, in Verein und Familie oder ohne Arbeit allein zu Haus – Viele Menschen fühlen Unwohlsein, eine unbestimmte Belastung, die auf ihren Schultern liegt.
Auf der Suche nach Formen, jenes Bedürfnis zu stillen, stieß ich auf die Einladung zum Sommertreffen von Anavan. Die kurze Vorstellung im Internet machte mich neugierig auf die Menschen, die im nordhessischen Herleshausen zusammenkommen wollen.
Vor etwa eineinhalb Jahren eröffnete eine Handvoll AktivistInnen den Prozess Anavan. Sie sind zu finden in Herleshausen und Tübingen, in Freiburg, auch in Frankreich und Rumänien. Aufgrund langjähriger Erfahrungen in Gemeinschaften mit gemeinsamer Ökonomie entstand der Wunsch diese Form des Wirtschaftens weiter zu entwickeln, offener und selbstbestimmter zu gestalten, auch ohne gemeinsam an einem Ort zu leben.
In der ersten Augustwoche 2010 fand das Sommertreffen für Anavan- Interessierte in Herleshausen und im thüringischen Waltershausen bei der Kommune KOWA statt. Dort beginnt Anavan – erfreulich offen – mit der stets neu aufzulegenden Diskussion über ihr Selbstverständnis. Kommuneleben, Protestbewegung, Bildung, schon Rentnerin oder in der Ausbildung – Vielfalt wird schnell zum tragenden Begriff.
Spürbar ist Anavan eine emanzipative Bewegung von unten: Selbstbestimmung, Sinnsuche und Solidarität gehören zu den Charakteristika. In den Diskussionen kristallisieren sich als Vision die eng verknüpften Merkmale einer angestrebten Gesellschaft heraus: generationsübergreifende soziale und ökologische Zukunftsfähigkeit und Vielfalt solidarischen Wirtschaftens, deren Basis eine allgemeine soziale Grundabsicherung ist.
Die Atmosphäre führt zur Befruchtung vielfältiger Ideen. Es werden Kontakte für die Umsetzung erster Schritte für einzelne Vorhaben geknüpft. Alles wird möglich durch Beitragen, Beteiligen, Spenden.
Und Anavan will mehr: Es geht um die Praxis. Seit März 2010 gibt es den Verein zur Förderung solidarischer Lebensgestaltung (SoLe e.V.). Im August wurde der Grundstein für eine lokale Tauschbörse „WerraNetzNetz“ gelegt. In Herleshausen ist man dabei, einen alten Gutshof ökologisch und mit recycelten Baumaterialien gemeinsam für Projektzwecke um zu bauen.
Im Herbst wird eine Genossenschaft für den Vertrieb von Produkten aus solidarischer Ökonomie gegründet. Ebenso steht im November ein Wochenendseminar zur sozialen Grundabsicherung an.
Sie scheinen erst einmal gering diese Schritte und doch sind sie groß und bedeutsam für dieses noch kleine Gruppentreffen, dessen TeilnehmerInnen – wie auch ich – oft zum ersten Mal dem Ruf von Anavan folgten.
Gewollt scheint die akustische Ähnlichkeit zum französichen „en avant“, das mit ‘vorwärts’ übersetzt werden kann oder auch mit ‘Los geht’s', wie ein Teilnehmer in Anlehnung an die traditionellen Treffen zum Start von Kommunegemeinschaften meinte.
Anavan ist Teil der inzwischen breiten Suche, wie eine andere Welt möglich ist und möchte bestehende Ansätze durch Verbinden stärken, statt in Konkurrenz zu ihnen zu treten.
Die Bewegung erweist sich als Instrument gegen das Unwohlsein in dieser Gesellschaft. Es gibt nicht die fertige Konzeption für eine Alternative. Es gibt Menschen, die sich gegenseitig helfen wollen, beim Austausch der Gedanken und Träume, beim Arbeiten und Wirtschaften oder einfach mit dem Zusammensein. Beitragen und beteiligen – mit Zeit, mit Fähigkeiten, mit Ressourcen, mit Plänen – ob nur kurz oder auf Dauer, bei Anavan ist Vielfältiges möglich.
Vielleicht haben Sie auch Lust auf Anavan und kommen zum nächsten Winter- oder Sommertreffen. Für meine Sommerplanung ist es jedenfalls vorgemerkt. Anavan!
Kontakt: anavan@gmx.net
http:// anavan.wordpress.com