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Diskussion Grundsicherung

An dieser Stelle wollen wir verschiedene Ideen und Konzepte formulieren und einfach mal in den Raum stellen; zum anregen, diskutieren, kritisieren und weiterentwickeln.

Derzeit befassen wir uns mit drei Konzepten. wir überlegen, wie ein Grundeinkommen schon mal im kleinen Rahmen realisiert werden kann, solange es auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene noch ein bisschen Zeit bis zur Realisierung verstreichen wird.

Etwas aufwändiger, aber auch jetzt schon zu realisieren ist eine (weitere) Form der Beitragsökonomie.

Das Gedankenkonstrukt einer sozialen Grundsicherung ist etwas weiter gefasst und verbleibt nicht nur auf der finanziellen Ebene, sondern entwickelt eher eine umfassende gemeinschaftlich-individuell funktionierende Lebens- und Arbeitswelt. Naja, lest einfach selbst.

 

5.6.2011, von dergottfried:

Eine ausführlichere konkretere Idee zur Umsetzung eines bedingungslosen Grundeinkommens mit der Weiterentwicklungsmöglichkeit zur Beitragsökonomie, commonsbased peerproduction, nichtkommerzielles Wirtschaften :

Vorbemerkungen:

  • Ein staatliches bedingungsloses Grundeinkommen, sollte es das je einmal geben, bedarf großer gesellschaftlicher Veränderungen. Diese brauchen Zeit. Ein zeitnah umgesetztes bedingungsloses Grundeinkommen geht nur in Selbstorganisation, ist dadurch aber auch machbar.
  • Bei diesem bedingungslosen Grundeinkommen handelt es sich, (wie bei allen anderen öffentlich diskutierten Grundeinkommen) um eine spezielle Form des Grundeinkommens. Das bedingungslose Grundeinkommen gibt es nicht.
  • Für ein bedingungsloses Grundeinkommen bedarf es vieler Bedingungen. Bedingungslos ist das Einkommen.
  • Bei der Umsetzung unseres Vorschlags ist uns wichtig: Ein Grundeinkommen muss Armut verhindern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Ein Grundeinkommen unter 1000 € möchten wir in Süddeutschland nicht umsetzen.
  • Personen, die unser selbst organisiertes Grundeinkommen erhalten, sollen dieses bedingungslos erhalten. Ein Grundeinkommen, dass zur Bedingung hat, dass teilnehmende Personen einer Erwerbsarbeit nachgehen, möchten wir nicht ausführen. Es soll so organisiert werden, dass jedeR die Wahl hat, „nur“ das Grundeinkommen zu erhalten, oder darüber hinaus auch einer Erwerbsarbeit nachzugehen.
  • Einen Rechtsanspruch für alle können wir in Selbstorganisation nicht verwirklichen. Somit können vorerst nur die Menschen, die sich ein bedingungsloses Grundeinkommen selbst organisieren, dieses auch bekommen.
  • Die Umsetzung unseres bedingungslosen Grundeinkommens setzt eine Gruppe voraus.
  • Der folgende Beitrag ist eine Idee zur Umsetzung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Bei der praktischen Umsetzung werden sich Modalitäten im Gruppenprozess verändern, weil sie den Gegebenheiten angepasst werden müssen.
  • Ein bedingungsloses Grundeinkommen, selbst organisiert oder staatlich umgesetzt, ist eine andere Verteilung der Ergebnisse, die eine Gesellschaft aus Produkten und Dienstleistungen erwirtschaftet. Menschen, die im Verteilungsprozess deutlich mehr Geld bekommen, als andere, werden weniger Geld haben. Der Versuch, ein bedingungsloses Grundeinkommen selbst zu organisieren, braucht Menschen, die bereit sind, ihr Einkommen anders zu verteilen, als es zur Zeit gehandhabt wird.
  • Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens verändert die betroffenen Menschen. Eine Voraussetzung für das Gelingen ist die Bereitschaft der Teilnehmenden, sich auf innere Veränderungen einzulassen

Ein Beispiel für eine mögliche Umsetzung eines bedingungslosen Grundeinkommens:

Begonnen wird der Prozess mit 10 – 20 an einem bedingungslosen Grundeinkommen interessierter Personen. Sie schließen sich zu einer Gründungsgruppe zusammen. Die Erarbeitung eines Grundeinkommens setzt einen gemeinsamen Prozess voraus. Deswegen ist es sinnvoll, wenn diese Menschen sich kennen, zusammenarbeiten und sich über einen begrenzten Zeitraum regelmäßig treffen können.

Diese Gruppe legt erstens fest, wie hoch das Grundeinkommen und zweitens, wie hoch der Anteil des eventuell vorhandenen Einkommens sein soll, den jeder Einzelne in eine gemeinsame Grundeinkommenskasse ein bezahlt. Damit ist auch festgelegt, wie hoch der Anteil ist, den JedeR über das Grundeinkommen hinaus individuell dazu verdienen kann. Damit das Grundeinkommen bedingungslos bleibt und keiner aus finanziellen Gründen für die Gruppe seine Arbeitskraft verkaufen muss, muss ein Teil der Grundeinkommenseinnahmen in der Kasse bleiben. Das macht auch für denn Fall Sinn, dass zahlungskräftigere Personen die Gruppe verlassen wollen, ohne die Gruppe zu gefährden.

Im folgenden Beispiel bekommen die Mitglieder 1000 € Grundeinkommen und behalten, falls sie ein gewerbliches Einkommen haben, die Hälfte davon für sich:

Person A ist verbeamtete Lehrerin in Teilzeit und möchte das auch vorerst bleiben. Sie hat ein Einkommen von monatlich 2500 €. Sie bekommt nun ein Grundeinkommen von 1000 € und gibt die Hälfte ihres gewerblichen Einkommens, also 1250 € in die Grundeinkommenskasse. Die Person A hat somit ein Gesamteinkommen von 2250 €. einschließlich eines Grundeinkommens. Die Grundeinkommenskasse kann somit 250 € monatlich an andere Mitglieder umverteilen.

Person B gibt Gitarrenunterricht, hat ein unregelmäßiges Einkommen von durchschnittlich 600 €. Sie bekommt ein bedingungsloses Grundeinkommen aus der gemeinsamen Kasse von 1000 €. 300 € ihres Einkommens gehen an die Grundeinkommenskasse. Person B hat somit ein Gesamteinkommen von 1300 € einschließlich eines Grundeinkommens. Die Grundeinkommenskasse wird somit mit 700 € belastet.

Die gemeinsame Grundeinkommenskasse zahlt jetzt monatlich 2000 € aus und nimmt 1550 € ein. Es entsteht ein Defizit von 450 € monatlich.

Person C ist Schreinerin und hat ein monatliches Einkommen von 1400 €. Die Arbeit macht ihr Spaß, sie möchte aber nur noch 30 Stunden die Woche arbeiten. Sie wird dann ein Einkommen von 1100 € haben. Sie bekommt ein Grundeinkommen von 1000 €. 550 € ihres Einkommens gehen in die Grundeinkommenskasse. Person C hat somit ein Gesamteinkommen von 1550 €.

Die gemeinsame Grundeinkommenskasse zahlt jetzt monatlich 3000 € aus und nimmt 2100 € ein. Es entsteht ein monatliches Defizit von 900 €.

Person D ist Ingenieur für Umwelttechnologie, hat einen Job in der Windenergiebranche und ein monatliches Einkommen von 4500 € monatlich. Die Arbeit macht ihr großen Spaß, ist aber auch sehr anstrengend. Trotzdem möchte Person D die Arbeit weiter machen. Person D gibt 2250 € in die Grundeinkommenskasse ab. Sie hat somit ein Gesamteinkommen von 3250 € einschließlich des Grundeinkommens.

Die gemeinsame Grundeinkommenskasse zahlt jetzt monatlich 4000 € aus und hat Einnahmen von 4350 €.

Bei diesem Modell bekommen alle Personen unter einem Einkommen von 2000 € mehr aus der Grundeinkommenskasse ausbezahlt als sie ein bezahlen. Bei Menschen mit einem Einkommen über 2000 € ist das dann umgekehrt.

Die Gruppe kann einzelne Faktoren verändern. Senkt sie z.B. den Selbstbehalt des Zusatzeinkommens auf 25 % ab, ist die Grundeinkommenskasse deutlich schneller auszahlungsfähig. Damit sinkt auch gleichzeitig die Grenze derer, die ihren Hinzuverdienst umverteilen auf etwa 1300 € ab.

Reicht das Geld aus, um allen ein Grundeinkommen auszubezahlen, ist die Gründungsphase vorbei und die Gruppe kann beginnen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Geld zur Umsetzung dieser Variante erst mal nicht ausreicht, ist relativ hoch. Jetzt wird sich zeigen, wie die Gruppe damit umgeht.

Sie kann z.B.

  1. innerhalb ihres Kreises Modalitäten aushandeln, wie die Grundeinkommenskasse durch andere Verteilung gefüllt werden kann. Beispiel: Die Schreinerin möchte vielleicht lediglich die Zeit für ihre Erwerbsarbeit reduzieren. Ihr Wunsch war es nicht, ihr Einkommen zu erhöhen. Ist sie, und sind andere bereit, sich mit ihren Bedürfnissen auseinander zu setzen? Ist die Schreinerin – oder andere – bereit, einen höheren Anteil ihres Verwertungseinkommens in die gemeinsame Grundeinkommenskasse zu geben? Spätestens hier beginnt die Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen.
  2. Sie kann einen Unterstützerkreis für die Idee „Umsetzung eines bedingungslosen Grundeinkommens“ entwickeln. Menschen, die nicht direkt teilnehmen wollen, können finanziell dazu beitragen, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen entstehen kann. Spätestens hier wird der Versuch öffentlich und somit politisch relevanter.
  3. Sie kann z.B. nach außen treten und sich um einkommensstärkere Mitglieder kümmern. Schafft es die Gruppe auf andere Gesellschaftsschichten zuzugehen, sich mit deren Bedürfnissen auseinanderzusetzen, sich den Gefühlen von Abgeben und Bekommen auszusetzen?
  4. Sie kann andere Ideen entwickeln.

Weiterentwicklungsmöglichkeit des bedingungslosen Grundeinkommens zur commonsbased peerproduction, auch Beitragsökonomie oder nicht kommerzielle Produktion genannt:

Vorbemerkung:

Menschen, die ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten, können mit diesem finanziellen Hintergrund weitere Ökonomieformen entwickeln. Z.b. kann sich ein Teil einer Gruppe über eine selbstgewählte Form der gemeinsamen Ökonomie untereinander oder mit anderen Menschen verbinden. Je größer die Gruppe – oder das Netz der Gruppen – ist, desto höher kann der nichtmonetäre Austausch der Mitglieder untereinander sein. Dadurch kann auch eine Reduzierung des Grundeinkommens und des Beitrags in die Grundeinkommenskasse möglich werden.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen kombiniert mit einer Beitragsökonomie, einer commonsbased peerproduction:

Ein Grundeinkommen ist eine gute Grundlage für die Weiterentwicklung zur Beitragsökonomie, zur commonsbased peerproduction:

Die Mitglieder einer Grundeinkommensgruppe bieten ihre Produkte und Dienstleistungen nicht nur intern, sondern für alle Menschen an. (zB. ökologische Bauberatung, Lederartikel, Bautätigkeiten, Bachblütentherapie, Gemüse, Geigen reparieren, Ferienwohnung, Bier, Schmuck, Töpfer-, Stockkampf-, Gruppengründungskurse….) Das Angebot der Gruppe an „die Gesellschaft“ setzt sich also aus dem zusammen, was alle gemeinsam aus der Gruppe anbieten können. Sie bieten ihre Leistungen nicht gegen Bezahlung an. Unabhängig dessen, was und wie viel sie anbieten, brauchen sie für ihr Grundeinkommen Geld oder einen Kopierer, eine Supervision, ein Auto, eine Fahrkarte, ein Föhn, eine Party, Ideen, ein Brauereikessel, ein Cello, eine Kreissäge usw. Die Liste ihrer noch benötigten Dinge ist einsehbar im Internet. Den Menschen, denen sie etwas anbieten, muss bewusst sein, dass eine Gesellschaft – auch diese kleine – nur funktioniert, wenn auch sie zum Lebensunterhalt anderer etwas beitragen. Die „Beschenkten“ bezahlen also nicht für die erhaltenen Leistungen oder Produkte. Sie können – unabhängig von der Höhe der erhaltenen Leistung – zum Erhalt der kleinen Gesellschaft oder wahlweise der gesamten Gesellschaft beitragen, oder das auch sein lassen.

 

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